ADHS & Co

Viele - und wir denken zu viele - Kinder tragen heute die Diagnose einer speziellen Lernstörung mit sich herum. Zwar glauben wir, dass es ADHS, Legasthenie und andere Beeinträchtigungen tatsächlich gibt. Wir meinen, dass die Diagnose häufig gar nicht zutrifft und zu einer falschen Herangehensweise führt.

Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass es am wichtigsten ist, wie der Schulstoff vermittelt wird. Es kommt darauf an, den Lernstand, die Neigungen und die Eigenarten eines jeden Schülers in das Lernen einzubinden. 

AD(H)S

Als ADS bezeichnet man eine auffällige Störung der Aufmerksamkeitsfähigkeit. Kommt ein rastloses hyperaktives Verhalten hinzu, spricht man von ADHS. Nach der offiziellen Definition müssen die Symptome bereits im Vorschulalter erkennbar gewesen sein. Ferner müssen sie in allen Lebensbereichen auftreten, also nicht nur in der Schule. Nach dieser engen Definition halten wir viele (aber nicht alle) Diagnosen für unzutreffend.

Was wir häufig beobachten ist eine Überforderung durch einen überfüllten Alltag. Kindern bleibt oft keine Zeit, sich in Ruhe Gedanken über die Welt zu machen und den Schulstoff zu verdauen. Die Welt und die Schulthemen werden als zusammenhangslos und willkürlich erfahren. Die daraus entstehende Verwirrung zeigt oft die gleichen Symptome wie ADHS, hat aber andere Ursachen.

In der Lernwerkstatt vermitteln wir den Schulstoff in aufeinander aufbauenden Schritten. Wo sich Verrständnis aufbaut, machen wir das als Erfolgserlebnis spürbar. Interessante Versuche und ruhige, regelmäßige Wiederholungen festigen den Stoff und schaffen Freude am Erlernten. So verschwinden oft schon nach wenigen Wochen viele der "ADHS"-Symptome. Liegt tatsächlich ein hartnäckiges ADHS vor, setzen wir auf Ruhe, Struktur, Fleiß und einen engen Austausch mit den Eltern und Ärzten.

Dyskalkulie

Hat mein Kind Dyskalkulie? Wir halten diese Frage für irreführend. Zwar werden eine Vielzahl von Tests angeboten, doch stimmen sie im Ergebnis selten überein. Ein Kind hat nicht eine Dyskalkulie oder nicht. Vielmehr gibt es eine Reihe von typischen Rechenschwierigkeiten, die oft gemeinsam auftreten. Lesen Sie mir dazu auf unserer Seite über Dyskalkulie.

Legasthenie und LRS

Wird bei einem Kind eine Legasthenie oder eine Lese-Rechtschreibschwäche festgestellt, denkt man zumeist an die Rechtschreibung. Oft bereitet aber auch das Erschließen von Texten Mühe und es kostet viel Zeit. Wo die eigenen Gedanken dann auch noch dokumentiert werden sollen, verlieren Kinder mit einer Legasthenie dann viel Zeit für die Sprache. Schlechte Noten spiegeln dann nicht unbedingt ein schlechtes Mathematik-, Physik- oder Chemie-Verständnis wieder sondern eher Leseprobleme. Lesen Sie mehr dazu im Artikel zu Legasthenie.

Thema Konzentration

Bei etwa einem Drittel der Schüler aller Altersklasse beobachten wir Schwierigkeiten im Umgang mit dem Kurzzeitgedächtnis, dem sogenannten Arbeitsspeicher. Dies führt bereits bei einfachen Kopfrechenaufgaben wie 7 mal 13 zu Problemen. Beim Lesen werden oft längere Sätze nicht in einem verstanden. Das erschwert dann das Verständnis von Zusammenhängen. Man geht heute davon aus, dass sich der Arbeitsspeicher nicht trainieren lässt, doch gibt es einfache und wirksame Methoden, ihn besser zu nutzen.

Hoher IQ

Studien zeigen, dass Menschen mit einem hohen IQ besonders oft sehr erfolgreich sind. Es ist ein Mythos, dass ein hoher IQ automatisch mit mehr Problemen im Leben einhergeht. Gleichwohl sehen wir bei manchen Kindern mit erhöhten IQ besondere Probleme. Da diesen Kindern in der Grundschule der Stoff oft "zuflog", mussten sie nie systematisch lernen. Ab der Klasse 5 wird der Stoff zunehmend abstrakt, Vokabeln und Rechenregeln müssen langweilig auswendig gelernt werden. Selbstdiziplin wird jetzt immer wichtiger. Für manche Kinder mit hohem IQ ist dies neu und unattraktiv. Hinzu kommt oft noch, dass viele Schüler mit höherem IQ Widersprüche und Erklärungslücken erkennen, die in der Schule unbeantwortet bleiben. Solche Kinder stellen oft schwierige Fragen. Lesen Sie mehr zu unserer Herangehensweie im Artikel zu Begabung.

 

 

 

Nicht alles, was wie ADHS aussieht, ist es auch: oft sind die Symptome eine natürliche Reaktion auf einen zu hektischen und zerrissenen Schulalltag.